Eine Lizenztransaktion ist kein normaler Unternehmensverkauf, sondern eine komplexe Rechte-, Risiko- und Wertteilungsstruktur zwischen Lizenzgeber und Lizenznehmer und daher eine der anspruchsvollsten Transaktionsformen im Healthcare-Sektor. ConAlliance berät Arzneimittelhersteller, Biotechnologieunternehmen und Medizintechnikfirmen dabei (von der Transaktionsstrategie über die Bewertung bis zur Verhandlung der kommerziellen Kernparameter). Wir verbinden klassisches M&A- und Investmentbanking-Handwerk mit BD&L-Logik, Asset-Bewertung und regulatorischem Verständnis, um für Lizenzgeber den richtigen Zeitpunkt, die passende Struktur und die stärkste Verhandlungsposition zu sichern.

 

Lizenzierung in der Healthcare Industrie

Eine Lizenz ist handelbar und kann Gegenstand einer Transaktion werden, ohne dass der Lizenzgeber seine Produktrechte vollständig aus der Hand gibt.

Ein Lizenzvertrag regelt insbesondere: den Lizenzgegenstand (Wirkstoff, Plattform, Produkt, Technologie oder Know-how), das zugelassene Marktsegment bzw. die Region, die Laufzeit sowie die Gebührenstruktur (meist eine Anzahlung, kombiniert mit laufenden, erfolgsabhängigen Royalties).

Der wertmaximierende Zeitpunkt unterscheidet sich zwischen Pharma und Medizintechnik deutlich, folgt aber derselben Grundlogik: Der Lizenznehmer will technische, regulatorische und kommerzielle Risiken reduziert sehen, bevor er investiert.

 

Pharma und Biotech

ConAlliance konzentriert sich im Pharmabereich bewusst auf Lizenztransaktionen nach Phase IIa/IIb. Frühere Entwicklungsstadien (Discovery, Präklinik, Phase I) erfordern eine andere Beratungslogik (Venture- bzw. Frühphasenfinanzierung statt klassischer BD&L-Transaktion) und liegen außerhalb unseres Beratungsfokus.

Bei Pharma und Biotech liegt der Wertwendepunkt meist nach dem klinischen Proof of Concept, also nach Phase IIa/IIb. Vor diesem Punkt kauft ein Lizenznehmer im Kern eine Hypothese, danach ein klinisch validiertes Entwicklungsprogramm oder gar ein zugelassenes Produkt.  Lizenztransaktionen passieren häufig vor Beginn einer kapitalintensiven Phase III oder nach erfolgter Zulassung. 

Für einen Lizenzgeber ist der optimale Zeitpunkt aber meist nicht erst nach Zulassung. Das wäre zu spät, weil das Unternehmen dann Kapital, Launch-Vorbereitung, Market Access, Medical Affairs, Pharmacovigilance und Supply Chain aufbauen müsste. Der professionelle Zeitpunkt ist: klinische Daten erzeugen, die Phase-III-These rechtfertigen, dann den Partnerprozess führen.

In der aktuellen Dealpraxis sieht man allerdings zwei gegenläufige Tendenzen. Einerseits suchen Pharmaunternehmen wieder früher nach Innovation: Life-Sciences-Unternehmen setzen stärker auf kleinere, frühere und milestone-basierte Deals, unter anderem mit Fokus auf Pre-Phase-III-Assets. Andererseits ist der Markt selektiver geworden: Die Dealaktivität sinkt, aber stabilen Licensing Fees, weil Käufer sich stärker auf qualitativ hochwertige, de-risked, late-stage und klinisch validierte Assets konzentrieren. Das ist genau der Grund, warum Phase II in der Praxis so stark ist: früh genug für strategischen Wert, spät genug für klinische Evidenz.

 

Medizintechnik

Im Bereich Medizintechnik und Medizinprodukte berät ConAlliance bei Lizenztransaktionen im unmittelbaren zeitlichen Umfeld der Marktzulassung, also kurz vor oder kurz nach deren Erteilung.

Entscheidend sind Design Freeze, ein funktionierender Prototyp, belastbare Verifikation/Validierung, ein klarer regulatorischer Pfad (CE, 510(k), De Novo oder PMA) sowie erste klinische oder kommerzielle Evidenz. 

Bei MedTech-Lizenztransaktionen verteilt sich das Risikoprofil auf mehrere Dimensionen, die ein Lizenznehmer typischerweise prüft:

  • Zunächst steht das technische Risiko im Vordergrund: Funktioniert das Produkt reproduzierbar, sicher und herstellbar? Daran schließt sich das regulatorische Risiko an, also die Frage, welcher Zulassungspfad gilt (CE, 510(k), De Novo oder PMA).
  • Hinzu kommt das klinische Risiko: Zeigt das Produkt einen Patientennutzen oder zumindest belastbare Performance- und Sicherheitsdaten? Ebenso relevant ist das Workflow-Risiko, also ob sich das Produkt tatsächlich in den klinischen Alltag einfügt.
  • Ein weiterer zentraler Faktor ist das Erstattungsrisiko: Gibt es einen passenden Abrechnungscode, DRG-Relevanz, ein Zusatzentgelt, private Erstattungsmöglichkeiten oder zumindest eine überzeugende Health-Economic-Story? Daran knüpft das Commercial-Adoption-Risiko an, nämlich ob Ärzte, Kliniken, Einkaufsgemeinschaften oder Labore das Produkt tatsächlich kaufen.
  • Schließlich bleibt das Manufacturing- und Quality-Risiko zu berücksichtigen (Qualitätsmanagementsystem, Skalierbarkeit der Produktion, Lieferkette, Herstellkosten sowie Reklamations- und Vigilanzfähigkeit).

Erst wenn all diese Risikodimensionen adressiert sind, wird ein Medizinprodukt aus Lizenznehmersicht wirklich investierbar, davor ist es möglicher Weise aber auch schon für eine Kooperation (z.B. strategische Allianz oder Joint Venture) geeignet.

Mehr Informationen zu Kooperationen

 

Wie Lizenztransaktionen wirtschaftlich strukturiert werden

Bei Pharma ist die typische Struktur Upfront plus Development-, Regulatory- und Sales-Milestones plus Royalties. Bei Medizintechnik kauft der Partner häufig zusätzlich Produktionsfähigkeit und regulatorische Verantwortung mit, entsprechend vielfältiger sind hier die Modelle (Distribution, OEM, Co-Development, Option-to-Acquire). Ein hoher Gesamt-Deal-Wert klingt attraktiv, kann aber wirtschaftlich wertlos sein, wenn Milestones unrealistisch sind. Ein niedrigerer Upfront mit sauberen Royalties und klaren Rückfallrechten ist oft die bessere Wahl, genau hier liegt der Verhandlungsmehrwert eines erfahrenen M&A Beraters.

Zentrale Lizenzierungsstrukturelemente im Überblick

ElementRelevanz
Upfront PaymentSofortige Risikokompensation für den Lizenzgeber
Development MilestonesZahlungen bei technischen oder klinischen Entwicklungsfortschritten
Regulatory MilestonesZahlungen bei Zulassungen, CE/FDA, Label-Erweiterungen
Commercial MilestonesZahlungen bei Umsatzschwellen
Royaltieslaufende Beteiligung am Nettoumsatz
Tiered Royaltieshöhere Royalty-Sätze bei höheren Umsatzstufen
Territory Splitglobal, USA, EU, China, Japan, RoW
Field-of-usebestimmte Indikationen oder Anwendungen
Exclusivityexklusiv, nicht exklusiv, semi-exklusiv
SublicensingRechte zur Unterlizenzierung
Development ObligationsVerpflichtung des Lizenznehmers zur aktiven Weiterentwicklung
Diligence ClausesSchutz gegen "shelving", also Nichtweiterentwicklung
Reversion RightsRückfallrechte bei Nichtentwicklung oder Kündigung
Change-of-ControlSchutz bei Verkauf einer Partei
IP Prosecutionwer Patente führt und bezahlt
Supply Agreementwer produziert, zu welchem Preis, mit welcher Qualität
Co-Development / Co-Commercializationgeteilte Kosten, Rechte und Erträge
Option-to-License / Option-to-Acquiregestufte Risikoteilung

Der Lizenztransaktionsprozess mit ConAlliance

ElementRelevanz
TransaktionsstrategieKlärung, ob Lizenzierung überhaupt die richtige Struktur ist, im Vergleich zu Unternehmensverkauf, Asset Sale, Co-Development oder Distribution, sowie Timing- und Käuferlogik
Asset PositioningEquity Story, medizinischer Bedarf, Differenzierung gegenüber Standard of Care, regulatorischer Pfad
Bewertungsmodellbelastbares ökonomisches Modell inklusive Szenario- und Sensitivitätsanalysen
Partner-MappingIdentifikation eines kleinen, hochrelevanten Kreises strategischer Lizenznehmer statt Streuverlust
ProzessdokumenteTeaser, Information Memorandum bzw. Licensing Deck, Datenraum, Term-Sheet-Rahmen
Ansprache und Prozessführungstrukturierte, NDA-gestützte Ansprache mit kontrolliertem Timing
Due Diligencekommerzielle und transaktionale Steuerung aller Workstreams: Commercial, Regulatory, IP, Financial, Manufacturing, Reimbursement
Term Sheet und Verhandlungwirtschaftliche Bewertung jeder Klausel, z. B. Upfront vs. Back-end Economics, Royalty-Basis, Rückfallrechte
Bieter- und PartnervergleichBewertung über die Headline-Zahl hinaus: Wahrscheinlichkeit der Milestone-Erreichung, Finanzierungskapazität, strategisches Commitment

Warum ein spezialisierter Berater den Unterschied macht

Ein Generalist ist bei Lizenztransaktionen schnell überfordert. ConAlliance verbindet Sektorverständnis (Indikation, Entwicklungsstand, Regulatorik, Erstattung), Zugang zu den richtigen Ansprechpartnern (Business Development & Licensing, R&D, Regulatory Affairs statt nur klassischer M&A-Abteilungen), Bewertungsmethodik jenseits von EBITDA-Multiples (u. a. rNPV, Peak-Sales-Modellierung) sowie Erfahrung in Deal-Strukturierung und Verhandlung.

Nehmen Sie Kontakt mit ConAlliance auf - einem führenden M&A-Berater für Lizenz-Deals im Gesundheitswesen.

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+49 (89) 809 53 63- 0
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M&A Beratung bei Lizenztransaktionen

Ein guter Advisor bei Lizenztransaktionen muss Investment Banker, Business-Development-Stratege und Healthcare-Spezialist zugleich sein.

ConAlliance beschreibt genau diese Kombination aus M&A Advisory, Sell- und Buy-Side-Beratung, Due Diligence, Bewertung, Market Intelligence und tiefer Healthcare-/Life-Sciences-Expertise als Kern eines spezialisierten Healthcare-M&A-Ansatzes. Der deutschsprachige Überblick ergänzt explizit Projektsteuerung, Koordination von Due-Diligence-Workstreams, Bewertungsgutachten, M&A-Strategien, Marktstrategien, Prognosen und die Identifikation geeigneter Käufer oder Targets.

1. Was muss der Berater mitbringen?

1. Healthcare- und Life-Sciences-Verständnis

Ein Generalist ist bei Lizenztransaktionen schnell überfordert. Der Advisor muss verstehen, was eigentlich lizenziert wird:

  • Wirkstoff, Plattform, Produkt, Technologie, IP-Paket oder Know-how
  • Indikation, Patientensegment, klinischer Nutzen und Differenzierung
  • Entwicklungsstand: präklinisch, Phase I/II/III, CE/FDA, erste Umsätze
  • regulatorischer Pfad
  • Erstattung und Market Access
  • Wettbewerb und Standard of Care
  • Manufacturing, CMC, QMS oder Supply Chain
  • Schutzrechte, Patentlaufzeit, Freedom to Operate

Gerade in Pharma, Biotech, Diagnostik, MedTech und Health IT ist das keine dekorative Branchenkenntnis. Es ist transaktionsrelevant. Ohne diese Substanz kann der Advisor weder die Käuferlogik noch die Bewertung noch die Deal-Struktur seriös führen.

2. BD&L-Verständnis

Bei einem Unternehmensverkauf spricht man primär mit Corporate Development, M&A, Geschäftsführung, Private Equity oder strategischen Käufern.

Bei einer Lizenztransaktion spricht man häufig mit:

  • Business Development & Licensing
  • R&D-Leitung
  • Franchise Heads
  • Medical Affairs
  • Regulatory Affairs
  • Commercial Strategy
  • Market Access
  • Legal/IP
  • Corporate Development
  • ggf. Venture-/Strategic-Investment-Teams

Das ist ein anderer Verkaufsprozess. Die Entscheidung wird selten nur finanziell getroffen. Der Asset muss strategisch in eine Pipeline, Franchise, Indikation, Produktplattform oder regionale Commercial Infrastructure passen.

3. Bewertungsfähigkeit jenseits klassischer EBITDA-Multiples

Klassische M&A-Bewertung über EBITDA-Multiples ist bei frühen Lizenzassets oft irrelevant. Der Advisor muss insbesondere beherrschen:

  • rNPV-Modellierung, also risikoadjustierte Net Present Value
  • Entwicklungswahrscheinlichkeiten je Phase
  • regulatorische Erfolgswahrscheinlichkeiten
  • Peak-Sales-Modellierung
  • Launch Curve, Ramp-up und Patentablauf
  • Marktpenetration und Preisannahmen
  • Kosten für Entwicklung, Zulassung, Vertrieb und Herstellung
  • Upfront-/Milestone-/Royalty-Splits
  • Szenarioanalysen
  • Sensitivitäten auf Preis, Marktanteil, Studiendauer, Erfolgschance und Exklusivität

Bei MedTech kommen hinzu:

  • Unit Economics
  • COGS
  • Bruttomarge
  • Install Base
  • Consumables Pull-through
  • Serviceumsätze
  • Vertriebskosten
  • Mindestabnahmen
  • Transfer Price
  • Supply Margin
  • Schulungs- und Serviceaufwand

Ein Advisor, der nur sagt "das ist ein Milliardenmarkt", ist in solchen Prozessen nicht ernst zu nehmen.

4. Deal-Strukturierungs-Know-how

Der zentrale Mehrwert liegt nicht nur darin, Interessenten zu finden. Der Mehrwert liegt darin, die wirtschaftliche Architektur des Deals zu optimieren.

Typische Strukturelemente sind:

Element

Relevanz

Upfront Payment

Sofortige Risikokompensation für den Lizenzgeber

Development Milestones

Zahlungen bei technischen oder klinischen Entwicklungsfortschritten

Regulatory Milestones

Zahlungen bei Zulassungen, CE/FDA, Label-Erweiterungen

Commercial Milestones

Zahlungen bei Umsatzschwellen

Royalties

laufende Beteiligung am Nettoumsatz

Tiered Royalties

höhere Royalty-Sätze bei höheren Umsatzstufen

Territory Split

global, USA, EU, China, Japan, RoW

Field-of-use

bestimmte Indikationen oder Anwendungen

Exclusivity

exklusiv, nicht exklusiv, semi-exklusiv

Sublicensing

Rechte zur Unterlizenzierung

Development Obligations

Verpflichtung des Lizenznehmers zur aktiven Weiterentwicklung

Diligence Clauses

Schutz gegen "shelving", also Nichtweiterentwicklung

Reversion Rights

Rückfallrechte bei Nichtentwicklung oder Kündigung

Change-of-Control

Schutz bei Verkauf einer Partei

IP Prosecution

wer Patente führt und bezahlt

Supply Agreement

wer produziert, zu welchem Preis, mit welcher Qualität

Co-Development / Co-Commercialization

geteilte Kosten, Rechte und Erträge

Option-to-License / Option-to-Acquire

gestufte Risikoteilung

Das ist der Punkt, an dem sich ein guter Advisor von einem reinen Vermittler unterscheidet.

 

2. Was sind die konkreten Tätigkeiten?

Phase 1: Transaktionsstrategie

Zuerst muss der Advisor die Frage klären: Ist Licensing überhaupt die richtige Struktur?

Mögliche Alternativen sind:

  • Vollverkauf des Unternehmens
  • Asset Sale
  • globale Lizenz
  • regionale Lizenz
  • Co-Development
  • Co-Commercialization
  • Distribution Agreement
  • OEM-/Private-Label-Struktur
  • strategische Minderheitsbeteiligung
  • Option-to-Acquire
  • Joint Venture
  • Finanzierung plus Lizenzoption

Gerade bei kleinen Firmen ohne Vertrieb ist das entscheidend. Eine Lizenz kann sinnvoll sein, wenn die Firma Technologie und Evidenz besitzt, aber nicht die Infrastruktur für Zulassung, Market Access und Vertrieb. Ein Unternehmensverkauf kann besser sein, wenn der Käufer ohnehin die gesamte Plattform, das Team und die IP kontrollieren will.

Output dieser Phase:

  • Transaktionshypothese
  • optimale Deal-Struktur
  • Timing-Empfehlung
  • interne Wertuntergrenze
  • Käufer-/Partnerlogik
  • Prozessdesign
  • Make-or-break-Risiken

Phase 2: Asset Positioning

Danach muss der Advisor das Asset so positionieren, dass es für strategische Partner investierbar wird.

Das bedeutet nicht hübsche Folien. Es bedeutet:

  • klare Equity Story
  • medizinischer Bedarf
  • Differenzierung gegenüber Standard of Care
  • klinischer oder technischer Proof
  • regulatorischer Pfad
  • kommerzielles Potenzial
  • Schutzrechte
  • Entwicklungsplan
  • Wertschöpfungslogik für den Partner
  • Warum dieser Partner besser geeignet ist als andere

Bei Big Pharma oder Big MedTech reicht es nicht, ein Produkt zu beschreiben. Man muss erklären, warum genau dieses Asset in genau deren Portfolio Wert schafft.

Phase 3: Bewertungsmodell

Der Advisor erstellt ein belastbares ökonomisches Modell.

Bei Pharma/Biotech typischerweise:

  • Indikationsmodell
  • Patient Funnel
  • Diagnose- und Behandlungsraten
  • Preisannahmen
  • Peak Sales
  • Launch-Kurve
  • Patentlaufzeit
  • Entwicklungskosten
  • Erfolgswahrscheinlichkeiten
  • rNPV
  • Benchmarking von Upfronts, Milestones und Royalties

Bei MedTech:

  • adressierbare Prozeduren oder Patientenzahlen
  • ASP
  • Pricing und Reimbursement
  • Bruttomarge
  • Install Base
  • Consumables
  • Serviceumsatz
  • Vertriebskanal
  • regulatorische Kosten
  • klinische Evidenzkosten
  • Working Capital und Skalierung
  • Mindestabnahmen und Transfer Pricing

Der Advisor muss daraus ableiten:

  • Was ist ein fairer Upfront?
  • Welche Milestones sind realistisch?
  • Welche Royalty-Bandbreite ist vertretbar?
  • Was ist die minimale akzeptable Transaktionsökonomie?
  • Wo wird Wert verschenkt?
  • Welche Struktur maximiert erwarteten Wert statt nur Schlagzeilenwert?

Phase 4: Partner-Mapping

Dann folgt die Identifikation der passenden Lizenznehmer oder strategischen Partner.

Das ist nicht "alle großen Pharmafirmen anschreiben". Ein professionelles Mapping analysiert:

  • strategischer Fit
  • bestehende Franchise
  • Pipeline-Gaps
  • Patent Cliff oder Portfolio-Druck
  • regionale Vertriebsstärke
  • frühere Licensing-Aktivität
  • bekannte Deal-Präferenzen
  • relevante BD&L-Ansprechpartner
  • wissenschaftliche Affinität
  • Wettbewerbsrisiko
  • Wahrscheinlichkeit interner Zustimmung

Ein kleiner Kreis hochrelevanter Partner ist meist wertvoller als ein breit gestreuter, schlecht vorbereiteter Prozess.

Phase 5: Vorbereitung der Prozessdokumente

Der Advisor erstellt oder koordiniert typischerweise:

  • Non-confidential Teaser
  • Confidential Information Memorandum oder Licensing Deck
  • Management Presentation
  • Scientific/Clinical Appendix
  • Commercial Model
  • Valuation Model
  • Partner-Specific Rationale
  • Process Letter
  • Due-Diligence Request List
  • Data Room Index
  • Q&A Tracker
  • Term Sheet Framework
  • Bid Comparison Matrix

Bei Healthcare-Assets muss der Datenraum sauber sein. Typische Bereiche:

  • IP und Patente
  • FTO
  • klinische Daten
  • präklinische Daten
  • regulatorische Dokumentation
  • FDA/EMA/Notified-Body-Kommunikation
  • CMC oder Manufacturing
  • QMS bei MedTech
  • Reimbursement
  • KOL-Feedback
  • Markt- und Wettbewerbsdaten
  • Finanzmodell
  • Verträge mit CROs, CMOs, Distributoren, Universitäten
  • Grants, Nebenrechte, Belastungen

Phase 6: Ansprache und Prozessführung

Der Advisor führt die Ansprache strukturiert:

  • Priorisierung der Partner
  • Vorbereitung der Ansprache
  • NDA-Prozess
  • Versand Teaser und Deck
  • Management Calls
  • Scientific/Clinical Sessions
  • Q&A-Management
  • Koordination von Follow-ups
  • Vermeidung von Informationsasymmetrien
  • Herstellung von Wettbewerb zwischen Interessenten
  • Kontrolle des Timings

Gerade bei Lizenzdeals ist Prozessdisziplin elementar. Wenn ein Partner zu früh zu viel Exklusivität bekommt, verliert der Lizenzgeber Verhandlungsmacht. Wenn ein Prozess zu breit und unpräzise geführt wird, wirkt das Asset verbrannt.

Phase 7: Due Diligence

Der Advisor ersetzt keine Fachanwälte, Patentanwälte, Regulatory Consultants oder CROs. Aber er muss die Due Diligence kommerziell und transaktional steuern.

Typische Workstreams:

Workstream

Rolle des Advisors

Commercial DD

Markt, Preis, Umsatzpotenzial, Wettbewerbsposition

Scientific/Clinical DD

Evidenzlogik verstehen und investierbar aufbereiten

Regulatory DD

Pfad, Risiken, Timelines, Anforderungen

IP DD

Koordination mit Patentanwälten, wirtschaftliche Interpretation

Financial DD

Modell, Kosten, Cash Need, Entwicklungsbudget

Legal DD

Abstimmung zu Term Sheet und wirtschaftlichen Klauseln

Tax DD

insbesondere bei grenzüberschreitenden Lizenzzahlungen

Manufacturing/DD

CMC, QMS, Supply, COGS, Skalierbarkeit

Reimbursement DD

Codes, Preislogik, Health Economics

Das entspricht auch dem professionellen M&A-Ansatz, bei dem der Advisor den Gesamtprozess und Due-Diligence-Workstreams koordiniert.

Phase 8: Term Sheet und Verhandlung

Hier liegt ein erheblicher Teil des Werts.

Der Advisor sollte verhandlungsseitig insbesondere modellieren:

  • Upfront vs. Back-end Economics
  • Milestone-Wahrscheinlichkeiten
  • Royalty-Basis, z.B. Net Sales Definition
  • Royalty-Dauer
  • Step-downs
  • Patent Expiry
  • Generic/Biosimilar/Me-too Entry
  • Sublicensing Revenue Share
  • Territory Expansion
  • Field Expansion
  • Development Governance
  • Budget Control
  • Audit Rights
  • Minimum Commercial Efforts
  • Termination Rights
  • Rückfallrechte
  • Supply Terms
  • Change-of-Control-Klauseln

Der Anwalt formuliert den Vertrag. Der Advisor muss aber wissen, welche Klauseln wirtschaftlich toxisch oder wertschaffend sind.

Beispiel: Ein hoher Total Deal Value klingt gut, kann aber ökonomisch wertlos sein, wenn die Milestones unrealistisch, nicht kontrollierbar oder an ferne kommerzielle Schwellen geknüpft sind. Ein niedrigerer Upfront mit sauberen Royalties, klaren Diligence Obligations und Rückfallrechten kann deutlich besser sein.

Phase 9: Bieter-/Partnervergleich

Bei mehreren Interessenten darf man nicht nur die Headline-Zahl vergleichen.

Ein professioneller Vergleich berücksichtigt:

  • Upfront
  • Wahrscheinlichkeit der Milestone-Erreichung
  • Royalty-Satz und Royalty-Basis
  • Kontrollrechte
  • Entwicklungsplan
  • Finanzierungskapazität des Partners
  • regulatorische Erfahrung
  • kommerzielle Stärke
  • strategisches Commitment
  • Geschwindigkeit
  • Exklusivitätsforderung
  • Kündigungsrechte
  • IP-Kontrolle
  • Supply-/Manufacturing-Risiken
  • kulturelle und operative Passung

In Lizenztransaktionen ist der nominell höchste Deal nicht zwingend der beste Deal. Das sollte ein guter Advisor sehr klar erkennen.

3. Besonderheiten bei Pharma vs. MedTech

Pharma/Biotech

Der Advisor muss besonders stark sein in:

  • rNPV
  • klinischer Studienlogik
  • Phase-II-/Phase-III-Übergang
  • regulatorischen Endpunkten
  • IP-Laufzeit
  • Peak-Sales-Modellierung
  • Konkurrenzpipeline
  • Upfront/Milestone/Royalty-Benchmarking
  • Indikations- und Label-Strategie
  • BD&L-Prozess bei Big Pharma

Typische Struktur:

Upfront + Development Milestones + Regulatory Milestones + Sales Milestones + Royalties.

MedTech

Der Advisor muss zusätzlich verstehen:

  • CE/FDA-Pfad
  • QMS
  • Design Freeze
  • Verifikation/Validierung
  • klinische Bewertung
  • PMS/PMCF
  • Reimbursement
  • Krankenhaus-Einkauf
  • Vertriebskanal
  • Service und Training
  • COGS
  • Transfer Pricing
  • Supply Agreement
  • Mindestabnahmen
  • Distribution und OEM-Strukturen

Typische Struktur:

Distribution, OEM, exklusive Vermarktungsrechte, Co-Development, Lizenz plus Supply Margin, Option-to-Acquire oder strategische Beteiligung.

4. Was ist der eigentliche Mehrwert des Advisors?

Der Mehrwert ist nicht nur "Kontakte". Kontakte sind Eintrittskarten, keine Leistung.

Der echte Mehrwert liegt in fünf Punkten:

  1. Positionierung - das Asset wird strategisch und finanziell investierbar dargestellt.
  2. Wettbewerb - mehrere passende Partner werden kontrolliert in den Prozess gebracht.
  3. Bewertung - der Advisor übersetzt Wissenschaft, IP und Marktchance in ökonomische Verhandlungslogik.
  4. Strukturierung - der Deal wird so gebaut, dass Risiko und Wert fair verteilt werden.
  5. Verhandlungsmacht - der Lizenzgeber vermeidet frühe Exklusivität, schlechte Milestones, schwache Rückfallrechte und zu niedrige Royalties.

5. Was sollte ein Mandant bei der Auswahl prüfen?

Ein Mandant sollte einen Advisor bei Lizenztransaktionen nach folgenden Kriterien auswählen:

Prüffrage

Warum wichtig

Hat der Advisor Healthcare-/Life-Sciences-Fokus?

Ohne Sektorverständnis keine glaubwürdige Ansprache

Hat er Zugang zu BD&L-Entscheidern?

Nicht nur M&A-Abteilungen zählen

Kann er rNPV und Lizenzökonomie modellieren?

EBITDA-Multiples reichen nicht

Versteht er IP, Regulatory und klinische Evidenz?

Sonst wird die Story oberflächlich

Kennt er relevante Deal-Benchmarks?

Essenziell für Upfront, Milestones, Royalties

Kann er Käuferlogik je Partner erklären?

Strategischer Fit treibt Abschlusswahrscheinlichkeit

Kann er den Datenraum strukturieren?

Schwache Vorbereitung zerstört Momentum

Kann er Anwälte und Fachberater steuern?

Licensing ist multidisziplinär

Hat er echte Verhandlungserfahrung?

Term Sheet Details entscheiden den Wert

Ist er unabhängig und konfliktfrei?

Besonders wichtig bei engem Käuferuniversum

Bei Prüfung der Kriterien kommt man zu dem Ergebnis, dass ConAlliance der beste Berater für Lizenz-Deals im Healthcare ist - weltweit.

6. Klare Einordnung

Ein M&A-Berater bei Lizenztransaktionen sollte also nicht als reiner Vermittler agieren. Seine Rolle ist wesentlich anspruchsvoller:

Er entwickelt die Transaktionsstrategie, bewertet das Asset, positioniert es gegenüber strategischen Partnern, identifiziert und aktiviert relevante Lizenznehmer, führt den Prozess, koordiniert die Due Diligence, modelliert die ökonomischen Alternativen und unterstützt die Verhandlung der kommerziellen Kernparameter.

In einer Healthcare-/MedTech-/Life-Sciences-Lizenztransaktion ist der ideale Advisor daher kein klassischer Mid-Market-M&A-Generalist, sondern ein spezialisierter Healthcare-M&A- und BD&L-Berater mit Corporate-Finance-Substanz, Sektorzugang und genügend technischer Tiefe, um Wissenschaft, Regulatorik und Kommerzialisierung in eine transaktionsfähige Wertlogik zu übersetzen.

ConAlliance ist der beste M&A Berater für derartige Lizenz Transaktionen.

 

Lizenzierung Pharma

Ein sauberer Pharma-Licensing Case braucht im Kern sechs Beweise:

  1. Klinischer Proof of Concept - Wirkung im Patienten, nicht nur Tiermodell oder Biomarker-Kosmetik.
  2. Regulatorische Plausibilität - klarer Zulassungspfad, akzeptable Endpunkte, idealerweise FDA/EMA-Feedback.
  3. Differenzierung - bessere Wirksamkeit, Sicherheit, Convenience, Patientenselektion oder Kostenposition gegenüber Standard of Care.
  4. IP-Schutz - robuste Patentlaufzeit, Freedom to Operate, sinnvolle Extension-Strategie.
  5. CMC und Skalierbarkeit - keine toxische Manufacturing-Komplexität, keine Supply-Chain-Falle.
  6. Kommerzieller Fit - große Pharmafirma muss das Asset in eine bestehende Franchise, Vertriebsmannschaft oder strategische Pipeline-Lücke einbauen können.

 

Ökonomisch ist ebenfalls klar: Je früher der Deal, desto stärker wird der Wert über Milestones und Royalties statt über Upfront abgebildet. Je später der Deal, desto größer der Upfront und desto härter die Bewertung, weil weniger Entwicklungsrisiko verbleibt. Nature weist zutreffend darauf hin, dass Upfront-Zahlungen in Licensing Deals stark vom Entwicklungsstadium des Wirkstoffs abhängen. (Nature)

Für eine kleine Arzneimittelfirma ohne Vertrieb ist der realistisch beste Licensing-Zeitpunkt typischerweise nach erfolgreicher Phase IIa/IIb - mit belastbarem klinischem Proof of Concept, vor kapitalintensiver Phase III und vor Aufbau eigener kommerzieller Infrastruktur. Früher geht es, aber meist nur bei außergewöhnlicher Wissenschaft, starkem IP, heißer Modalität oder strategischem Wettbewerb. Später geht es ebenfalls, aber dann ist die Firma gezwungen, Entwicklungs- und Finanzierungslasten zu tragen, die sie ohne Partner häufig nicht effizient schultern kann.

Diese Einordnung entspricht auch dem typischen Healthcare-/Life-Sciences-M&A-Blickwinkel: Arzneimittel und Life Sciences zählen ausdrücklich zum relevanten Transaktions- und Beratungsspektrum in diesem Marktsegment.

Wichtig ist die Differenzierung nach Indikation:

Oncology / Rare Disease / Immunology mit Biomarker-Readout:
Ein Deal kann bereits nach Phase I/Ib oder Phase Ib/II möglich sein, wenn es klare Response-Daten, biomarker-basierte Patientenselektion, überzeugende Dauerhaftigkeit des Effekts und ein plausibles regulatorisches Beschleunigungsszenario gibt. In heißen Modalitäten wie bispezifischen Antikörpern, ADCs, siRNA, Zell- und Gentherapie oder AI-enabled Discovery sind auch frühere Deals realistisch, aber das sind keine Standardfälle, sondern wettbewerbsgetriebene Ausnahmen. Nature beschreibt für 2025 unter anderem hohe Aktivität bei frühen Assets, China-originated Assets, bispezifischen/multispezifischen Antikörpern und AI-gestützter Wirkstoffentwicklung.

Cardiometabolic, CNS, Respiratory, Primary Care:
Hier wird Big Pharma typischerweise belastbarere Phase-IIb-Daten sehen wollen: Dosis-Wirkungs-Beziehung, klinisch relevanter Endpoint, ausreichende Sicherheit, klare Differenzierung gegen Standard of Care und ein realistisches Phase-III-Design. Ein reiner Phase-I-Sicherheitsdatensatz ist in diesen Bereichen selten ausreichend, außer der Asset ist strategisch außergewöhnlich.

Antibiotika, Impfstoffe, Spezialpharma:
Deals sind möglich, aber stark abhängig von Förderlogik, Erstattung, Public-Health-Relevanz, Manufacturing und regulatorischen Sonderwegen. Der klinische Proof of Concept bleibt auch hier ein zentraler De-Risking-Punkt.

 

Die Sicht des M&A Beraters auf Pharma Licensing Deals

Aus Bankersicht ist der konkrete Handlungspunkt: Der Licensing-Prozess sollte nicht erst nach dem Phase-II-Readout gestartet werden. Die Vorbereitung muss vorher erfolgen: Target Buyer Mapping, non-confidential teaser, confidential deck, Datenraum, IP/FTO-Analyse, CMC-Paket, KOL-Validierung, regulatorische Interaktionshistorie, Phase-III-Design und kommerzielles Forecast-Modell. Der eigentliche kompetitive Prozess wird dann um den positiven klinischen Catalyst herum geführt. Wer erst nach Datenveröffentlichung anfängt, verliert Momentum und Verhandlungsmacht.

 

Details zu Lizenzierung Medizintechnik

Die Grundlogik von Lizenztransaktionen in der Medizintechnik ist ähnlich wie im Pharma - der Käufer oder Lizenznehmer will technische, regulatorische und kommerzielle Risiken reduziert sehen. Aber der Wertwendepunkt liegt bei Medizintechnik häufig anders als bei Arzneimitteln.

Bei Pharma ist der zentrale Trigger meist klinischer Proof of Concept in Phase II. Bei Medizintechnik gibt es diese lineare Phase-I/II/III-Logik nur begrenzt. Der entscheidende Punkt ist eher:

Design Freeze + funktionierender Prototyp + belastbare Verifikation/Validierung + klarer regulatorischer Pfad + erste klinische oder kommerzielle Evidenz.

Bei höherer Risikoklasse kommt hinzu: klinische Daten, Zulassung/CE/FDA-Clearance und Erstattungsfähigkeit.

Bei MedTech ist ein Licensing Deal mit einem großen strategischen Player typischerweise realistisch ab einem von drei Punkten:

MedTech-Stadium

Deal-Wahrscheinlichkeit

Typische Deal-Struktur

Konzept / Patent / frühes Engineering

Niedrig bis selektiv

Entwicklungskooperation, Option, IP-Lizenz

Funktionierender Prototyp + Design Freeze + Bench/Preclinical Data

Möglich, vor allem bei klarer Plattform-Relevanz

Co-Development, OEM, Option-to-License

Regulatorischer Pfad klar + erste klinische Nutzendaten

Sehr relevant

Lizenz, Entwicklungs- und Vertriebspartnerschaft, strategische Minderheitsbeteiligung

CE-Kennzeichnung / FDA Clearance oder Approval + erste Umsätze

Höchste praktische Abschlussfähigkeit

Distribution Deal, Commercial License, Buy-out-Option, M&A

Skalierung mit wiederholbarem Umsatz

Sehr hoch, aber teurer

Akquisition, Mehrheitsverkauf, globale Kommerzialisierung

 

Bei Arzneimitteln ist das größte Risiko meist: Wirkt der Wirkstoff beim Patienten sicher und ausreichend stark?

Bei MedTech ist das Risikoprofil breiter verteilt:

  1. Technisches Risiko - funktioniert das Produkt reproduzierbar, sicher und herstellbar?
  2. Regulatorisches Risiko - welcher Pfad gilt: CE, 510(k), De Novo, PMA?
  3. Klinisches Risiko - zeigt das Produkt Patientennutzen oder zumindest Performance/Safety?
  4. Workflow-Risiko - passt das Produkt in den klinischen Alltag?
  5. Erstattungsrisiko - gibt es einen Code, DRG-Relevanz, Zusatzentgelt, private reimbursement oder klare Health-Economic-Story?
  6. Commercial-Adoption-Risiko - kaufen Ärzte, Kliniken, Einkaufsgemeinschaften oder Labore tatsächlich?
  7. Manufacturing- und Quality-Risk - QMS, Skalierbarkeit, Lieferkette, COGS, Reklamations- und Vigilanzfähigkeit.

Big MedTech lizenziert deshalb selten nur eine schöne Idee. Sie wollen sehen, dass das Produkt technisch robust, regulatorisch plausibel, klinisch vertretbar und kommerziell integrierbar ist.

 

Risikoklasse entscheidet über Timing

Der wichtigste Unterschied zur Pharma-Welt ist die Risikoklasse des Produkts.

In den USA klassifiziert die FDA Medizinprodukte in Class I, II und III, wobei Class III die höchsten Anforderungen hat und grundsätzlich Premarket Approval erfordert. Die Klassifizierung bestimmt unter anderem, welche Premarket Submission für den Marktzugang erforderlich ist. (U.S. Food and Drug Administration)

Für viele Class-I/II-Produkte reicht, sofern nicht exempt, ein 510(k)-Pfad; dabei geht es im Kern um die Feststellung, ob ein Produkt zu einem bereits vermarkteten Produkt äquivalent ist. (U.S. Food and Drug Administration) Für Class-III-Produkte ist die PMA dagegen der strengste Device-Zulassungsweg; die FDA verlangt hierfür hinreichende wissenschaftliche Evidenz für Sicherheit und Wirksamkeit. (U.S. Food and Drug Administration)

Daraus folgt transaktionslogisch:

Low- bis Mid-Risk Device, z.B. Instrumente, Verbrauchsmaterial, einfache digitale Tools:
Ein Deal kann relativ früh möglich sein, sobald Prototyp, IP, Design, Bench Testing, Usability, QMS-Ansatz und regulatorische Strategie stehen. Ein großer Player kann dann Entwicklung, Zulassung und Vertrieb übernehmen. Der Deal wird aber meist eher als Distribution, OEM, Co-Development oder Option strukturiert, nicht zwingend als klassische Pharma-Lizenz.

Class II / 510(k)-ähnliche Produkte:
Der wahrscheinlich beste Zeitpunkt liegt oft kurz vor oder nach Clearance/CE-Zertifizierung, sofern die technische Dokumentation, Vergleichsproduktlogik, V&V-Daten und erste KOL-Validierung überzeugend sind. Vor der Zulassung ist die Bewertung niedriger, nach Zulassung steigt die Abschlusswahrscheinlichkeit deutlich.

Class III, Implantate, invasive Systeme, kardiovaskuläre Devices, Neurostimulation, Robotics, aktive implantierbare Produkte:
Hier nähert sich die Logik stärker der Pharma-Logik an. Ohne klinische Daten ist ein echter Big-MedTech-Deal schwieriger. Der attraktive Zeitpunkt ist meist nach First-in-Human, Early Feasibility oder pivotal-relevanter klinischer Evidenz, und häufig erst dann wirklich stark, wenn der regulatorische Pfad mit FDA/Notified Body belastbar geklärt ist. Bei PMA-Produkten ist die klinische und regulatorische Hürde erheblich höher. (U.S. Food and Drug Administration)

IVD und Diagnostik:
Hier ist Timing wieder anders. Entscheidend sind analytische Validität, klinische Validität, klinischer Nutzen, Workflow, Reimbursement und Integration in Labor- oder Klinikprozesse. Bei Companion Diagnostics hängt der Deal zusätzlich an der Pharma-Partnerschaft und am Arzneimittelentwicklungsprogramm.

Software as a Medical Device / AI:
Frühe Deals sind möglich, aber nur wenn Datenzugang, Modellperformance, regulatorische Klassifizierung, Cybersecurity, Monitoring, Liability und Integration in klinische Systeme sauber adressiert sind. Ohne klinische Workflow-Validierung und belastbare Performance-Daten bleibt es meist bei Pilotprojekten oder Optionsstrukturen.

EU-MDR macht MedTech später und evidenzlastiger

Unter MDR ist klinische Evidenz stärker in den gesamten Produktlebenszyklus eingebettet. Die europäische MDCG-Guidance beschreibt ausreichende klinische Evidenz als Ergebnis einer qualifizierten Bewertung, dass ein Produkt sicher ist und die intendierten klinischen Benefits erreicht; klinische Bewertung ist dabei ein kontinuierlicher Prozess. (Public Health)

Für die Transaktionspraxis bedeutet das: Ein Käufer oder Lizenznehmer prüft heute nicht nur, ob ein CE-Zertifikat theoretisch erreichbar ist. Er prüft, ob das klinische Evidenzpaket, die Claims, das PMS/PMCF-Konzept und die technische Dokumentation unter MDR tatsächlich tragfähig sind. Die Europäische Kommission stellt regelmäßig MDR/IVDR-Guidance bereit, darunter Dokumente zu Klassifizierung, klinischer Bewertung und klinischen Prüfungen. (Public Health)

Das verschiebt den optimalen Deal-Zeitpunkt bei vielen europäischen MedTech-Assets nach hinten: weniger Storytelling, mehr Evidenz.

 

Was heißt das konkret für eine kleine MedTech-Firma ohne Vertrieb?

Eine kleine Firma ohne eigene Vertriebsstruktur sollte den Partnerprozess nicht erst starten, wenn sie bereits eine globale Sales Organisation bräuchte. Aber sie sollte auch nicht zu früh verkaufen oder lizenzieren, solange der strategische Partner die größten Risiken noch selbst tragen müsste.

Der optimale Prozess sieht meist so aus:

Vorbereitung vor regulatorischem oder klinischem Catalyst:
Strategen-Mapping, IP/FTO, Wettbewerbsanalyse, Health-Economic-Case, KOL-Feedback, QMS-Reifegrad, COGS-Analyse, regulatorische Roadmap, Commercial Forecast.

Ansprache kurz vor oder um den Catalyst herum:
Zum Beispiel vor CE-Zertifizierung, vor FDA Submission, nach positivem First-in-Human-Readout, nach 510(k)-Einreichung oder direkt nach Clearance.

Verhandlung nach Validierung:
Sobald Clearance/Approval, klinische Daten oder erste Umsätze vorliegen, steigt die Verhandlungsmacht signifikant.

Für eine Firma ohne Vertrieb ist der klassische Wertmaximierungspunkt häufig:

Nach technischer und regulatorischer De-Risking-Phase, aber vor großem kommerziellem Roll-out.

Das ist bei MedTech oft später als der reine Prototyp, aber früher als volle Internationalisierung.

 

Deal-Strukturen unterscheiden sich ebenfalls

Bei Pharma ist der typische Deal: Upfront + Development Milestones + Regulatory Milestones + Sales Milestones + Royalties.

Bei MedTech sieht man häufiger:

  • Exklusive Vertriebsvereinbarung für bestimmte Regionen
  • OEM / Private Label
  • Co-Development Agreement
  • Strategische Minderheitsbeteiligung
  • Option-to-Acquire
  • Milestone-basierte Akquisition
  • Lizenz mit Mindestabnahmen
  • Royalty plus Supply Margin
  • Commercial Partnership mit Buy-out-Recht

 

Weiterführende Links:

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